Berliner Freimaurer JL Zur Verschwiegenheit
Brüder gebet Gott die Ehre (Matthias Claudius)

 

Brüder gebet Gott die Ehre,
unser Tagwerk ist getan.
O, wer doch vollendet wäre
und ein wirklich freier Mann!
Tag und Nacht, in Freud` und Schmerzen,
such ein jeder es von Herzen,
: Geb`noch hier darauf dein Wort
und geh` dann in Frieden fort. :

         

Gute Nacht! Und fröhlich Leben!
Eh` wir auseinandergehn.
Gute Nacht! Und Gott wird geben,
dass wir uns hier wieder sehen!
Würde einer hingenommen,
sollt` er hier nicht wiederkommen,
: Hätte Gott es so bedacht:
Auch dem Bruder - Gute Nacht!

   

 

Alfried Lehner 

Wenn Brüder auseinandergehn,
vielleicht für lange Zeit,
vielleicht sich niemals wiedersehn,
erst in der Ewigkeit,

dann mag dies manchem schmerzlich sein.
Das ist so Menschenart.
Doch wird der Schmerz dann wieder klein,
wenn ihr in Euch bewahrt,

dass uns verbindet dieser Bund
als einer Kette Glieder.
Trennt uns das ganze Erdenrund,
wir bleiben dennoch Brüder.

Alfried Lehner (geb. 1936) von Beruf Generalstabsoffizier an der Führungsakademie der Bundeswehr, veröffentlichte etliche Gedichtbände, ist freischaffender Lyriker, aufgenommen in die Hamburger Loge „Roland“ am 5. 12. 1977, ausgezeichnet mit der „Matthias-Claudius-Medaille“.
Aus: Appel, R.; Oberheide, J. (Hrsg.): Weisheit, Stärke, Schönheit. Graz, 1998, S. 62
 

 

 

Meine Mutterloge
         

 

  Der Rechungsführer Bola,
  Rundle, der Bezirkswachtmeister,
  Und Beazley vom Bahnerverband,
  Donkin, Gefangenenaufseher,
  Und Achmann, der Intendant,
  Und Blake, der Oberschaffner,
  (War Meister im doppelten Sinn),
  Er saß mit Krämer Eduljee
  Im selben Laden drin.

Draußen: „Herr“, „Wachtmeister“
Ein dienstbeflissen Gesicht!
Doch drinnen nur: „Mein Bruder!“
Mit Rang- und Titelverzicht.
Die Waage und der Winkel
Macht alle Ungleichen gleich,
Und ich war zweiter Schaffner
in jener Loge Bereich.

Jud Saul, der Aden entstammt,
Der Zeichner Din Mohammed
Vom Feldvermessungsamt
Und Babu Chuckerbutty
Und Amir Singh, der Sikh
Und Schuppenverwalter Castro,
Einst römischer Katholik.

Im Monat eineArbeit,
Dann saß man rauchend beisamm‘.
Ein festlich Mahl gab‘s höchstens,
Wenn einer Abschied nahm.
Dann saßen wir und sprachen
von des einen Gottes Land,
Und jeder sprach von dem seinen,
So, wie er es verstand.

Ein jeder kam zu Worte
Und keiner brach den Bann,
Bis mit dem Ruf der Vögel
Der neue Tag begann.
Ergötzlich war‘s. Wir gingen
Und tauschten noch zu Haus‘
Mit Gott, Mohammed und Shiwa
Im Bett die Gedanken aus. 

 

 

Wie oft in Königs Diensten
Ermattete mein Fuß!
Wie oft in fremden Logen
Bracht‘ ich der Loge Gruß!
Vom Bergland hoch im Norden
Ans Meer, bis Singapur.
Ich wollt, ich stände wieder
Vor meiner Mutter Tor.

Ich wollt‘, ich säh‘ sie wieder,
Die Brüder weiß und braun.
Ich wollt‘, ich könnt‘ noch einmal
Die Mutterloge schau‘n.
Den schläfrigen Tempelhüter
Und das alte Logenheim:
Ich wollt‘, ich kehrte in Ehren
Zu meiner Mutter heim!

Draußen: „Herr“, „Wachtmeister“
Ein dienstbeflissen Gesicht!
Doch drinnen nur: „Mein Bruder!“
Mit Rang- und Titelverzicht.
Die Waage und der Winkel
Macht alle Ungleichen gleich,
Und ich war zweiter Schaffner
in jener Loge Bereich.

Der britische Schriftsteller Rudyard Kipling, 1865 in Bombay geboren und 1936 in London gestorben, erhielt 1907 den Nobelpreis für Literatur.
 

„Das Dschungelbuch“ und ,,Kim“ gehören zu seinen bekanntesten Werken. Kipling, ausgebildet als Journalist, war ein kluger Beobachter der Britischen Kolonialzeit. Als 20-jähriger wurde er in der Loge "Hope und Perseverance“ in Lahore zum Freimaurer aufgenommen. Ihr widmete er sein Gedicht „Meine Mutterloge“.
Aus: „HUMANITÄT“ 01/2005, S. 19
 

 

 

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